Dosieren: Kalibrierung, Portionen und warum der Controller keine Dosen nachholt

Das Dosieren – von Spurenelementen im Riffaquarium, Düngesalzen im Pflanzbecken oder Pflegemitteln im Süßwasseraquarium – ist eine Aufgabe, die sich hervorragend automatisieren lässt. Kleine, häufige Gaben sind biologisch vorteilhafter als eine einzige große Gabe, und menschliches Vergessen gehört zur Natur der Sache. Dieser Leitfaden erklärt, wie das Dosiersystem von Oquari funktioniert, wie man die Pumpen kalibriert und warum der Controller nach einem Neustart bewusst keine verpassten Dosen „nachholt“.

Vier Kanäle, Dosierung in Millilitern

Oquari verfügt über bis zu vier Dosierkanäle. An jeden schließt du eine Peristaltikpumpe an und stellst die Dosismenge direkt in Milliliter ein. Für jeden Kanal konfigurierst du folgende Parameter:

  • Flüssigkeitsname (z. B. KH+, Ca, Mikro…): Dieser Name wird später im Bedienpanel und in Home Assistant angezeigt.
  • Tagesdosis und Anzahl der Portionen: Du gibst die Gesamtmenge pro Tag ein und legst fest, in wie viele Teilmengen diese aufgeteilt wird (z. B. 20 ml in 4 Portionen à 5 ml).
  • Zeitfenster: Die Dosierung erfolgt nur innerhalb des definierten Zeitraums (z. B. 10:00–22:00 Uhr).
  • Abstand zwischen verschiedenen Flüssigkeiten: Bestimmte Supplemente – klassischerweise KH und Calcium – sollten nicht gleichzeitig in das Wasser gelangen. Der Controller regelt die Pausen automatisch und sequenziert die Gaben. Die Kanäle dosieren niemals parallel zueinander.

Kalibrierung: Eine Minute mit dem Messzylinder

Da die Dosis in Millilitern angegeben wird, muss der Controller den Förderstrom deiner Pumpe kennen:

  1. Wähle im Panel bei dem jeweiligen Kanal Kalibrierung aus – die Pumpe läuft für 60 Sekunden an.
  2. Miss ab, wie viele Milliliter in den Messzylinder geflossen sind, und gib diesen Wert ein.
  3. Der Controller speichert die Förderleistung und rechnet ab diesem Zeitpunkt automatisch Milliliter in Laufzeit um.

Der Förderstrom einer Peristaltikpumpe nimmt mit der Abnutzung des Schlauchs leicht ab. Wiederhole die Kalibrierung alle 1–2 Monate (der Controller erinnert dich daran).

Unsichtbare Sicherheitsmechanismen – bis sie greifen

  • Täglicher Obergrenzwert: Ein Kanal gibt niemals mehr als das Doppelte der eingestellten Tagesdosis ab. Ein Tippfehler („100 ml“ statt „10 ml“) führt nicht zu einer Überdosierung.
  • Erkennung von Luftansaugung und leeren Flaschen: Der Controller misst den Stromverbrauch des Pumpenmotors. Eine Pumpe, die „trockenläuft“, verbraucht deutlich weniger Strom. Der Kanal wird sofort gestoppt und bis zu deiner Bestätigung gesperrt, gleichzeitig erhältst du eine Alarmmeldung.
  • Verbrauchsmonitoring und Flaschenkapazität: Gib das Volumen der Dosierflasche ein, dann warnt der Controller rechtzeitig – „Flasche in ca. 5 Tagen leer“ – bevor sich dies im Aquarium auswirkt.
  • Situative Pausen: Die Dosierung pausiert während des Fütterns und der Wasseraufbereitung. Bei Stromausfall stoppt sie sofort.

WICHTIG: Nach einem Neustart werden keine Dosen nachgeholt

Dieses Verhalten ist bewusst so konzipiert und sollte verstanden werden. Wenn der Controller zwischen 12:50 und 13:20 Uhr keinen Strom hatte und eine Portion um 13:00 Uhr hätte dosiert werden sollen, geht diese Portion schlichtweg verloren. Der Controller führt nach dem Start keine „ausstehenden“ Dosen nach.

Warum? Dosieren ist ein physikalisch nicht rückgängig zu machender Vorgang. Nach einem Neustart weiß der Controller nicht, ob die Dose kurz vor dem Stromausgang bereits abgegeben wurde oder nicht. Im Zweifelsfall ist eine doppelte Gabe von KH oder Mikroelementen für das Aquarium gefährlicher als eine ausgelassene Dosis. Dasselbe gilt für jede Zeitverschiebung: Keine Portion wird doppelt ausgegeben, und der tägliche Gesamtbilanz bleibt immer erhalten.

Versuche nicht, nach jedem Stromflackern manuell „nachzuholen“. Eine einzelne ausgelassene Portion bei einem sinnvollen Zeitplan (mehrere kleine Gaben pro Tag) ist für die Wasserwerte nicht spürbar. Wenn die Unterbrechung einen ganzen Tag oder länger dauerte, miss die Werte und korrigiere gezielt auf Basis der Testergebnisse, nicht willkürlich.

Konfiguration im Panel – Schritt für Schritt

  1. Gehe zu Panel → Dosierung.
  2. Konfiguriere für jeden Kanal: Benenne die Flüssigkeit, kalibriere die Pumpe, gib die Tagesdosis, die Anzahl der Portionen und das Zeitfenster ein.
  3. Stelle den Abstand zwischen inkompatiblen Flüssigkeiten ein (Startwert: 15 Minuten).
  4. Gib optional das Flaschenvolumen ein – du erhältst dann eine Warnung vor dem Ende des Vorrats.

Abschließend gilt als gute Praxis, unabhängig von der Automatisierung: Einmal pro Woche einen Blick auf Schläuche, Flaschen und den Kontroll-Messzylinder werfen. Der Automat dosiert präzise – aber du weißt am besten, wie ein gesundes Aquarium aussieht.

Häufige Fragen

Warum dosiert Oquari nicht parallel auf mehreren Kanälen?

Gleichzeitiges Dosieren verschiedener Supplemente kann zu unerwünschten chemischen Reaktionen führen, beispielsweise zur Ausfällung von Calciumcarbonat. Durch die automatische Sequenzierung und Pauseneinstellung stellt der Controller sicher, dass die Flüssigkeiten sich im Aquarium erst nach dem Dosieren vermischen.

Muss ich die Kalibrierung wirklich so oft wiederholen?

Ja, Peristaltikschläuche altern durch ständiges Verformen und verlieren mit der Zeit an Dichtigkeit und Reibungswiderstand. Eine regelmäßige Neukalibrierung stellt sicher, dass die eingestellten Milliliter auch tatsächlich ins Wasser gelangen und verhindert langfristige Ungenauigkeiten in den Wasserwerten.

Was passiert bei einem längeren Stromausfall?

Bei einem kurzen Ausfall werden verpasste Portionen nicht nachgeholt, um eine Überdosierung zu vermeiden. Bei einem längeren Ausfall (z. B. über 24 Stunden) sollten die relevanten Parameter wie Calcium, Alkalinität oder pH-Wert manuell gemessen und bei Bedarf bewusst korrigiert werden, anstatt sich auf automatische Nachholmechanismen zu verlassen.

Kann ich den Dosierplan in Home Assistant steuern?

Ja, Oquari integriert sich nativ über MQTT Discovery in Home Assistant. Du kannst den Status der Kanäle überwachen und die Dosierung pausieren oder aktivieren. Die eigentliche Logik der Dosierungszeiten und -mengen läuft jedoch lokal auf dem Controller ab, um Stabilität auch bei Internetproblemen zu gewährleisten.

Wie erkenne ich, wenn eine Dosierflasche leer ist?

Der Controller überwacht den Stromverbrauch der Pumpe. Wenn die Pumpe Luft statt Flüssigkeit fördert, ändert sich das Lastprofil des Motors. Der Kanal wird automatisch gesperrt und du erhältst eine Benachrichtigung auf deinem Smartphone, bevor Schäden am Aquarium oder an der Pumpe entstehen können.